In der Spannungshierarchie eines Netzes nimmt die 35-kV-Ebene eine Zwischenstellung ein: stromaufwärts hängt sie an der 110-kV-Ebene und darüber, stromabwärts speist sie die 10-kV-Verteilung. Genau diese Position macht sie zum Arbeitstier regionaler Umspannwerke, industrieller Verteilungen und der Einspeisung von Solar- und Windparks. Wer eine Anlage in dieser Ebene plant, entscheidet nicht nur über ein Bauteil, sondern über die Schnittstelle zwischen zwei Netzebenen.
Der Beitrag beschreibt den Aufbau, die Anzapfungskonzepte, die Verlustreihen und die Auswahlparameter – mit den Werten, die in einer Ausschreibung stehen sollten.
Es handelt sich um ein flüssigkeitsgekühltes Zweiwicklungsgerät, das 35 kV auf 10,5, 6,3 oder 0,4 kV heruntertransformiert – oder umgekehrt die Erzeugerspannung eines Parks auf 35 kV hochsetzt. Der Leistungsbereich reicht von 50 bis 31 500 kVA, die Anzapfung ist wahlweise lastabhängig oder lastfrei, und die Auslegung folgt IEC 60076.
Die Wahl der Anzapfung ist keine Geschmacksfrage, sondern folgt aus dem Netzverhalten am Aufstellungsort. Sie entscheidet über Preis, Wartungsaufwand und darüber, ob die Sekundärspannung auch bei schwankender Oberspannung im Band bleibt.
| Merkmal | OLTC (lastabhängig) | DETC (lastfrei) |
|---|---|---|
| Umschaltung | unter Last, im Betrieb | nur im spannungsfreien Zustand |
| Stufenbereich | üblich ±4 × 2,5 Prozent (9 Stufen) | üblich ±5 Prozent |
| Sinnvoll bei | häufig schwankender Netzspannung, Einspeisung | stabilem Netz, begrenztem Budget |
| Aufwand | höherer Preis, Wartung der Mechanik | einfach, praktisch wartungsfrei |
Für Einspeiseprojekte ist der lastabhängige Stufenschalter meist die richtige Wahl, weil die Oberspannung dort über den Tag deutlich wandert. Für ein Werk mit stabilem Netzanschluss ist er teurer Aufwand ohne Gegenwert.
Die Zahlen im Typenschlüssel stehen für Verluststufen, nicht für Baugrößen. Der Unterschied ist betriebswirtschaftlich relevant, weil Leerlaufverluste rund um die Uhr anfallen – auch dann, wenn niemand produziert.
| Reihe | Leerlaufverlust gegenüber S9 | Typische Anwendung |
|---|---|---|
| S11 | 30–40 Prozent niedriger | allgemeine Industrie und Verteilung, wirtschaftlicher Regelfall |
| S13 | 45–55 Prozent niedriger | hohe Effizienzanforderung, Lebenszykluskosten im Vordergrund |
| SBH15 amorph | rund 75 Prozent niedriger | Projekte mit Effizienzvorgaben oder Förderauflagen |
Die Rechnung lohnt sich nur mit dem eigenen Lastprofil. Wer 8 760 Stunden Leerlauf mit dem Preisunterschied der Reihe multipliziert, kommt je nach Strompreis auf Amortisationszeiten, die zwischen zwei und acht Jahren liegen können. Wie sich Verluste in der Angebotsbewertung sauber gewichten lassen, steht im Beitrag zu den fünf Merkmalen der Öltransformator-Auslegung.
Ein ölgefülltes Gerät dieser Größe wird nicht ohne Überwachung betrieben. Fünf Einrichtungen sind Standard, und alle fünf gehören in die technische Dokumentation:
Der Punkt, an dem in der Praxis am häufigsten gespart wird, ist das Temperaturmanagement. Es ist aber genau die Größe, die über die Papieralterung und damit über die Lebensdauer entscheidet. Warum Papier und nicht Öl altert, erklärt der Beitrag zur Folienspule und der ölgefüllten Wicklung.
Drei Anwendungen dominieren, und sie stellen unterschiedliche Anforderungen:
Für die Auslegung von Einspeiseprojekten lohnt der Blick auf den Stufentransformator für Solarparks; bei Windparks kommen Lastwechsel und Umrichter als zusätzliche Belastung hinzu, wie im Beitrag zum Windkraft-Transformator beschrieben.
| Parameter | Richtwert |
|---|---|
| Leistung | tatsächliche Last × 1,1 bis 1,15 |
| Oberspannung | 35 / 38,5 / 40,5 kV |
| Unterspannung | 10,5 / 6,3 / 0,4 kV |
| Schaltgruppe | Yyn0 als Standard, Dyn11 bei Oberschwingungsbelastung |
| Kurzschlussimpedanz | 7–8 Prozent Standard, 8–10 Prozent bei hoher Impedanz |
| Anzapfung | OLTC oder DETC |
| Kühlung | ONAN, ab großer Leistung ONAF |
Zwei Werte verdienen besondere Aufmerksamkeit. Erstens der Gleichzeitigkeitsfaktor: Wer die Summe aller Einzellasten ohne Faktor einsetzt, kauft zu groß. Zweitens die Impedanz – sie liegt in dieser Spannungsebene typischerweise höher als bei 10-kV-Verteiltransformatoren und verändert damit das Kurzschlussniveau, mit dem die nachgelagerte Schutztechnik rechnen muss.
Frage 1: Wann lohnt sich ein lastabhängiger Stufenschalter?
Wenn die Oberspannung im Tagesverlauf regelmäßig um mehr als etwa zwei Prozent wandert oder wenn Einspeisung die Spannungshaltung übernimmt. Bei stabilem Netzanschluss ist die lastfreie Anzapfung die wirtschaftlichere Lösung.
Frage 2: Welche Schaltgruppe ist für Einspeisung sinnvoll?
Bei Umrichtern im Netz ist Dyn11 üblich, weil sie Oberschwingungsströme anders verteilt als Yyn0. Die Entscheidung gehört in die Anfrage, weil sie Wicklungsaufbau und Schutzauslegung betrifft.
Frage 3: Reicht ONAN immer aus?
Bis zu einer gewissen Leistung ja. Darüber entscheidet die Umgebungstemperatur mit: Bei hohen Außentemperaturen und Aufstellung in der Sonne stößt die natürliche Konvektion früher an die Grenze als im Datenblatt angegeben.
Frage 4: Was ist bei Küsten- oder Chemiestandorten zu ändern?
Der Korrosionsschutz. C5-M-Beschichtungssysteme und dichtere Kesselausführungen sind dort kein Zubehör, sondern Voraussetzung dafür, dass das Gerät die geplante Lebensdauer erreicht.
Frage 5: Wie wird die Lieferung nachgewiesen?
Über Stückprüfprotokoll, Typprüfungsnachweis der Baureihe und die Zeichnung mit endgültigen Abmessungen. Welche Prüfung was belegt, steht im Beitrag zu Typprüfung und Stückprüfung.
Die ölgefüllte Baureihe von XIAOPAI deckt den Bereich von 50 bis 31 500 kVA ab; die Ausführungen und die verfügbaren Optionen stehen auf der Seite Öltransformator 35 kV, die Übersicht der Verlustreihen auf Öltransformator S9–S22.