Die Wahl des Transformators ist eine der ersten technischen Entscheidungen in jedem Verteilungs- oder Industrieprojekt. Ein Fehler bei Spannung, Leistung oder Kühlungsart führt nicht zu einer Fehlermeldung, sondern zu schlechtem Wirkungsgrad, heißeren Wicklungen und im schlechtesten Fall zu einem frühen Ausfall. Weil sich das später kaum korrigieren lässt, entscheidet die Qualität der Anfrage über den Preis und über die Betriebskosten der nächsten zwanzig Jahre.
Dieser Leitfaden listet die Angaben auf, die vor der Bestellung vorliegen müssen, zeigt die üblichen Wertebereiche und erklärt, welche Punkte Anbieter gern offenlassen.
Die Leistung wird auf die Spitzenlast ausgelegt, nicht auf den Durchschnitt. Als Faustregel läuft ein Transformator im Normalbetrieb bei 70 bis 80 Prozent seiner Nennleistung. Ein Werk mit einer berechneten Spitzenlast von 400 kVA braucht damit ein Gerät mit 500 kVA und nicht mit 400 kVA.
Der Puffer hat zwei Funktionen: Er deckt Lastspitzen und Erweiterungen ab, und er hält die Wicklungstemperatur in einem Bereich, in dem die Papieralterung langsam bleibt. Wer knapp auslegt, spart einmalig Anschaffungskosten und zahlt sie über die Lebensdauer in Form höherer Verluste und kürzerer Lebensdauer zurück.
Zu klären sind die ankommende Netzspannung und die Spannung, die die Anlage benötigt. Auf der Oberspannungsseite sind 6 kV, 10 kV, 11 kV und 35 kV die üblichen Verteilungsebenen, auf der Unterspannungsseite 400 V. Sonderfälle mit 400/230 V, 480 V oder anderen Übersetzungen kommen vor, sind aber immer ein Hinweis darauf, dass die Anfrage genauer geprüft werden muss.
Ein Punkt wird dabei häufig übersehen: Die Netzspannung schwankt, und der Transformator muss an der oberen und an der unteren Toleranzgrenze noch die geforderte Sekundärspannung liefern. Deshalb gehören die zulässigen Toleranzen und die Frage nach Anzapfungen in die Anfrage – nicht erst in die technische Klärung nach der Auftragserteilung.
Die Kühlung beeinflusst sowohl den Preis als auch den Aufstellungsort. Ölgefüllte Geräte nutzen das Öl zur Isolation und zum Wärmetransport und bieten eine hohe Überlastfähigkeit, brauchen aber eine Auffangwanne und ausreichende Abstände. Trockentransformatoren arbeiten mit Luft und Gießharz und sind die Wahl für Innenräume mit Brandschutzauflagen.
Für die Freiluftaufstellung auf Mast oder Fundament ist die Ölbauart in der Regel die wirtschaftlichere Lösung. Für Gebäude, Tunnel und Rechenzentren gilt das Gegenteil. Wie sich die beiden Bauarten im Detail unterscheiden, steht im Beitrag zum Entscheidungsleitfaden Trocken oder Öl.
Die Schaltgruppe legt die Phasenverschiebung zwischen Ober- und Unterspannungswindung fest. Für Verteiltransformatoren ist Dyn11 die übliche Wahl, weil sie eine unsymmetrische Belastung auf der Unterspannungsseite zulässt und die Oberspannungsseite davon unberührt bleibt.
Die Kurzschlussimpedanz liegt bei Verteiltransformatoren typischerweise zwischen 4 und 6 Prozent. Sie beeinflusst zwei Dinge gleichzeitig: den Spannungsfall unter Last und die Höhe des Kurzschlussstroms, den die nachgelagerte Schutztechnik sehen wird. Wer die Impedanz erst nach der Bestellung klärt, muss unter Umständen die Schutzauslegung neu rechnen.
Die Frequenz ist bei Auslandsprojekten keine Selbstverständlichkeit. 50 Hz und 60 Hz führen zu unterschiedlicher Kernauslegung und zu unterschiedlichen Leerlaufverlusten; ein für 50 Hz gerechnetes Gerät ist bei 60 Hz nicht einfach dasselbe Produkt mit einem anderen Etikett.
Die Umgebung umfasst Aufstellhöhe, Umgebungstemperatur, Luftfeuchte und Korrosionsbelastung. Die Nennleistung gilt für genormte Bedingungen; bei 45 °C Umgebungstemperatur oder 2 000 m Aufstellhöhe ist eine Korrektur nötig. Was Hitze konkret verändert, steht im Beitrag zu Transformatoren für heiße Klimazonen.
| Angabe | Übliche Werte | Was ohne sie passiert |
|---|---|---|
| Scheinleistung | 50–2 500 kVA im Verteilnetz | Gerät wird zu knapp oder unnötig teuer |
| Ober- und Unterspannung | 6/10/11/35 kV auf 0,4 kV | Angebot passt nicht zur Anlage |
| Schaltgruppe | Dyn11 als Regelfall | Phasenversatz, Schutzfehlfunktion |
| Kurzschlussimpedanz | 4–6 Prozent | Schutzauslegung muss nachgerechnet werden |
| Kühlungsart | ONAN, ONAF, AN, AF | Aufstellort und Brandschutz nicht geklärt |
| Frequenz und Umgebung | 50/60 Hz, Höhe, Temperatur | Verluste und Lebensdauer weichen ab |
Die Branche entscheidet mit darüber, welche Eigenschaft Vorrang hat. Die folgende Zuordnung hat sich in der Praxis bewährt:
Für Verteilnetze und Industrieanlagen liefert XIAOPAI die ölgefüllte Baureihe S9 bis S22 und für Innenräume die Gießharzbaureihe SC(B). Beide Linien sind als Öltransformator 35 kV beziehungsweise Trockentransformator im Detail beschrieben.
Unabhängig von der Bauart gehören vier Unterlagen in die Bestellung: das Werksprüfprotokoll mit Leerlaufverlusten, Lastverlusten, Impedanzspannung und Isolationswiderstand, der Nachweis der Normkonformität, die Zeichnung mit den endgültigen Abmessungen und die Angabe, welche Prüfungen beim Abnahmetermin wiederholt werden. Welche Norm gilt und was sie im Einzelnen verlangt, erklärt der Beitrag zu IEC 60076 im Einkauf.
Ein letzter Hinweis, der häufig Geld kostet: Zwei Angebote mit derselben Nennleistung sind nicht dasselbe Gerät. Verluste, Impedanz und Abmessungen können so weit auseinanderliegen, dass der Preisunterschied wirtschaftlich gerechtfertigt ist – oder eben nicht. Wie man diesen Vergleich sauber aufbaut, steht im Beitrag zu 1 000 kVA und zwei verschiedenen Transformatoren.
Frage 1: Welche Angaben braucht ein Anbieter für ein Angebot?
Nennleistung, Ober- und Unterspannung, Schaltgruppe, Kühlungsart, Frequenz, Aufstellumgebung und die geforderten Normen. Fehlt eine dieser Angaben, wird der Anbieter eine Annahme treffen – und die steht später selten im Angebot.
Frage 2: Wie lange dauert die Lieferung eines Verteiltransformators?
Standardausführungen liegen üblicherweise bei vier bis sechs Wochen. Sonderübersetzungen, zusätzliche Messgeräte oder besondere Kesselbauarten verlängern die Zeit.
Frage 3: Ist ein Gerät für 60 Hz lieferbar?
Ja, aber die Frequenz muss in der Anfrage stehen. Kernauslegung und Leerlaufverluste unterscheiden sich zwischen 50 und 60 Hz, und ein nachträglicher Wechsel ist keine Umbenennung, sondern eine Neuauslegung.
Frage 4: Was bedeuten die Zahlen in S9, S11 und S22?
Sie stehen für Verluststufen. S9 ist die Basis, S11 liegt darunter, S22 ist eine neuere hocheffiziente Ausführung. Maßgeblich ist die Verlusttabelle im Datenblatt, nicht die Zahl im Typenschlüssel.
Frage 5: Reicht die Nennleistung, wenn die Last später wächst?
Nur bis zur Reserve. Wer heute 400 kVA Spitzenlast hat und in drei Jahren 600 kVA erwartet, sollte die Entscheidung an der späteren Zahl ausrichten – oder die Erweiterbarkeit der Station von Anfang an mitplanen.