Der hermetisch abgedichtete Öltransformator ist in Verteilnetzen der Standardfall: kein Ölausgleichsbehälter, kein Kontakt zwischen Transformatoröl und Außenluft, keine regelmäßige Ölfilterung. Zwei Baureihen teilen dieses Gehäuseprinzip und unterscheiden sich an genau einer Stelle – dem Kern. Der S11-M verwendet gestapelte Bleche, der S13-M einen gewickelten Kern aus hochpermeablem Elektroblech. Dieser Unterschied entscheidet über Leerlaufverluste, Geräuschpegel und Preis, nicht über die Bauform des Tanks.
Wer vor der Beschaffung steht, muss deshalb nicht zwischen zwei Bauarten wählen, sondern zwischen zwei Verlustniveaus bei identischer Aufstellung, identischem Anschluss und identischer Wartungslogik. Die folgende Gegenüberstellung zeigt, was gleich bleibt, was sich ändert und ab welcher Laufzeit sich der Aufpreis trägt.
Beide Bezeichnungen folgen derselben Systematik. Das erste Zeichen nennt die Phasenzahl, die Zahl in der Mitte die Leistungsstufe der Baureihe, der Buchstabe am Ende die Tankbauart. Ein S11-M ist damit ein dreiphasiger, hermetisch abgedichteter Öltransformator der elften Entwicklungsstufe, ein S13-M das entsprechende Gerät der dreizehnten Stufe mit geringeren Verlusten.
| Zeichen | Bedeutung | Gilt für |
|---|---|---|
| S | Dreiphasen-Ausführung | S11-M und S13-M |
| 11 | Entwurfsstufe; Verlustniveau zwischen S9 und S13 | S11-M |
| 13 | Entwurfsstufe mit niedrigerem Leerlaufverlust als S11 | S13-M |
| M | Hermetisch abgedichtete Bauart mit Wellblechtank, ohne Ölausgleichsbehälter | S11-M und S13-M |
Die Ziffer allein sagt nichts über die Leistung in kVA. Sie beschreibt die Verlustklasse innerhalb einer Baureihe, weshalb ein S13-M mit 630 kVA und ein S13-M mit 2500 kVA dieselbe Bezeichnung tragen, aber völlig unterschiedliche Abmessungen haben.
Ein gestapelter Kern entsteht aus geschnittenen Blechen, die zu einem Rahmen geschichtet werden. An den Stoßstellen entstehen magnetische Widerstände, die der Fluss überwinden muss. Der S11-M reduziert diesen Nachteil über eine 45-Grad-Gehrungsüberlappung, beseitigt ihn aber nicht.
Beim S13-M wird das Elektroblech zu einem geschlossenen Ring gewickelt und anschließend aufgetrennt, um die Wicklung einzulegen. Der magnetische Pfad bleibt über den gesamten Umfang ununterbrochen, es gibt keine Stapelfugen. Das senkt drei Größen gleichzeitig:
Das ist der eigentliche Grund, warum der S13-M in Wohngebieten, Kliniken und Schulen eingesetzt wird: Er löst den Zielkonflikt zwischen niedrigen Verlusten und leisem Betrieb, statt ihn zu verschieben. Wer nur auf den Wirkungsgrad schaut, übersieht, dass der Geräuschvorteil häufig der Genehmigungsgrund ist.
Unabhängig vom Kern teilen beide Baureihen dieselbe Tankkonstruktion. Der Kessel besteht aus gewelltem Stahlblech, das gleichzeitig Behälter und Kühlfläche ist. Dehnt sich das Öl bei Erwärmung aus, verformen sich die Lamellen; kühlt es ab, gehen sie zurück. Ein Ausgleichsbehälter ist nicht erforderlich.
Daraus folgen drei Eigenschaften, die im Betrieb mehr wiegen als ein Prozent Wirkungsgrad:
Der Preis dieser Bauart ist die eingeschränkte Diagnosefähigkeit: Ohne Ausgleichsbehälter fehlt die einfache Ölprobenentnahme am Konservator. Wer Zustandsüberwachung betreiben will, muss die Probenahmestelle am Kessel und ein Buchholzrelais bereits bei der Bestellung vorsehen.
Die folgende Tabelle stellt repräsentative Werte für 10/0,4 kV gegenüber. Die Lastverluste sind bei beiden Baureihen identisch, weil sie von der Wicklung und nicht vom Kern bestimmt werden. Der Unterschied liegt vollständig im Leerlaufverlust und im Leerlaufstrom – und damit in dem Posten, der unabhängig von der Belastung 8760 Stunden im Jahr anfällt.
| kVA | P0 S11-M (W) | P0 S13-M (W) | Pk beide (W) | uk (%) | I0 S11-M (%) | I0 S13-M (%) |
|---|---|---|---|---|---|---|
| 50 | 130 | 100 | 870 | 4,0 | 1,2 | 0,9 |
| 100 | 200 | 160 | 1240 | 4,0 | 1,0 | 0,8 |
| 200 | 340 | 270 | 1980 | 4,0 | 0,9 | 0,7 |
| 315 | 480 | 385 | 2850 | 4,0 | 0,8 | 0,6 |
| 500 | 680 | 545 | 4100 | 4,0 | 0,7 | 0,5 |
| 800 | 980 | 785 | 5800 | 4,5 | 0,6 | 0,5 |
| 1000 | 1150 | 920 | 6900 | 4,5 | 0,6 | 0,5 |
| 1600 | 1700 | 1360 | 9600 | 4,5 | 0,5 | 0,4 |
| 2500 | 2400 | 1920 | 13000 | 4,5 | 0,4 | 0,3 |
Rahmenbedingungen für beide Baureihen: Leistungsbereich 30 bis 2500 kVA, Hochspannungsseite 10 oder 20 kV, Niederspannungsseite 0,4 kV, Kühlungsart ONAN, Stufenschaltung üblicherweise ±5 Prozent außerhalb des Stromkreises, optional ±2 × 2,5 Prozent. Die endgültigen Werte werden mit der technischen Vereinbarung je Auftrag festgelegt und im Prüfprotokoll bestätigt.
Der Vergleich wird erst dann eine Entscheidung, wenn man ihn in Betriebsstunden übersetzt. Ein 315-kVA-Verteiltransformator läuft 8760 Stunden im Jahr; der Leerlaufverlust fällt unabhängig davon an, ob die Anlage ausgelastet ist.
Bei einem Bezugspreis von 0,15 Euro je Kilowattstunde entspricht die zweite Stufe etwa 125 Euro jährlicher Einsparung pro Gerät. Über zwanzig Jahre sind das rund 2500 Euro – ein Betrag, der den Aufpreis für den gewickelten Kern in vielen Fällen trägt, aber nicht in jedem. Wo Strom günstig und die Laufzeit kurz ist, bleibt der S11-M die wirtschaftlichere Wahl.
Der zweite Effekt lässt sich nicht in Kilowattstunden ausdrücken: geringere Leerlaufverluste bedeuten geringere Erwärmung im Leerlauf und damit eine längere Isolationslebensdauer. Bei Anlagen, die dauerhaft unter Teillast laufen, verschiebt sich der Vorteil weiter zugunsten des S13-M.
Für beide Baureihen gilt dieselbe Kapazitätsregel: Auslegung auf das 1,2- bis 1,4-fache der tatsächlichen Maximallast, mit einer Ausbaureserve von 15 bis 25 Prozent. Eine dauerhafte Überlastung verkürzt die Lebensdauer unabhängig von der Kernbauart.
Die Wahl der Schaltgruppe folgt der Last, nicht dem Modell: Dyn11 ist für neue Wohngebiete und Netze mit hohem Oberschwingungsanteil vorzuziehen, Yyn0 eignet sich für symmetrische Drehstromlasten. Bei beiden Reihen sind Leistung, Spannungsverhältnis, Abgriffsbereich, Schaltgruppe und Kabelein- und -ausgänge anpassbar.
| Situation | Empfehlung | Begründung |
|---|---|---|
| Wohnbebauung, Klinik, Schule in unmittelbarer Nähe | S13-M | Geräuschpegel rund 7 dB(A) niedriger als beim S11-M |
| Export in EU-Mitgliedstaaten mit Ökodesign-Anforderung | S13-M | Leerlaufverluste unter den Grenzwerten der Verordnung (EU) 2019/1781 |
| Ganzjährige Volllast, hohe Strompreise, lange Nutzungsdauer | S13-M | Amortisation über die Leerlaufverluste |
| Kurze Projektlaufzeit, günstiger Stromtarif, Budgetgrenze | S11-M | Gleiche Tankbauart, gleiche Wartungslogik, niedrigerer Anschaffungspreis |
| Ölfelder, Minen, abgelegene Versorgungspunkte | beide | Hermetische Bauart und Feuchtebeständigkeit sind bei beiden identisch |
| Sehr hohe Effizienzanforderung, CO2-neutrales Areal | SBH15-M oder SCBH15 | Amorpher Kern, Leerlaufverlust rund 75 Prozent unter Siliziumstahl-Niveau |
Wichtig zur Brandschutzgrenze: Beide Baureihen sind ölgefüllt und enthalten brennbares Mineralöl. Für brandkritische Räume mit hoher Personendichte – unterirdische Anlagen, Obergeschosse von Hochhäusern, Tunnel – ist der Trockentransformator die richtige Bauart, nicht der S13-M. Die Entscheidung lautet dort SC(B) mit Vakuumverguss oder SC(B)0 mit halogenfreier Isolierung.
Beide Reihen werden nach GB 1094 und GB/T 6451 gefertigt und entsprechen der Normenreihe IEC 60076. Das Ökodesign betreffen die Verlustgrenzen der Verordnung (EU) 2019/1781; die CE-Kennzeichnung stützt sich auf die Niederspannungsrichtlinie 2014/35/EU. Für die Materialdeklaration gilt RoHS 2011/65/EU, für die Ölqualität IEC 60296.
Jedes Gerät durchläuft Windungszahlprüfung, induzierte Spannungsprüfung, Blitzstoßprüfung und Temperaturanstiegsprüfung. Das Protokoll mit Seriennummer ist der Nachweis für das gelieferte Gerät; eine Typprüfung der Baureihe ersetzt es nicht. Worin sich beide unterscheiden, steht im Beitrag Typprüfung und Stückprüfung.
Die Entscheidung lässt sich in drei Fragen auflösen. Erstens: Wie viele Stunden im Jahr läuft das Gerät unter Last, und wie hoch ist der Strompreis? Wenn die Leerlaufverluste über zwanzig Jahre mehr kosten als der Aufpreis, ist der S13-M günstiger. Zweitens: Gibt es einen Geräuschgrenzwert in der Genehmigung? Dann entscheidet nicht der Wirkungsgrad, sondern der Abstand zur Wohnbebauung. Drittens: Gilt eine Ökodesign-Grenze im Zielmarkt? Dann ist die Frage nicht wirtschaftlich, sondern formal.
Wer diese drei Antworten kennt, braucht keinen Katalogvergleich. Wer sie nicht kennt, sollte mit dem S11-M planen und den S13-M als Option ausschreiben – der Aufpreis lässt sich dann in der Angebotsphase gegen die berechnete Einsparung stellen. Für Projekte in heißen Klimazonen kommt eine dritte Größe hinzu: Die Nennleistung gilt für 40 Grad Umgebungstemperatur, darüber ist eine Leistungsreduktion zu vereinbaren, wie im Beitrag Transformatoren für heiße Klimazonen beschrieben.