Wenn ein Transformator in ein Einkaufszentrum, ein Krankenhaus, ein Rechenzentrum oder eine U-Bahn-Station soll, endet die Planung mit einem ölgefüllten Gerät häufig in der Brandschutzprüfung. Der Grund ist nicht die Technik, sondern das Medium: Öl ist brennbar, und damit werden Brandwände und Auffangwannen zur Pflicht. Die Baureihe SC(B) ersetzt dieses Medium durch Luft – und verlegt die Frage von der Brandlast zur Fertigungsqualität.
Dieser Beitrag beschreibt, was der Vakuumverguss technisch bewirkt, welche Rolle die Folienspule spielt, woher die 140 Prozent Überlastfähigkeit kommen und an welcher Stelle die Bauart an ihre Grenzen stößt.
Die Oberspannungswicklung wird im Vakuum mit glasfaserverstärktem, flammhemmend eingestelltem Epoxidharz vergossen. Das Harz umschließt jede Windung und jede Lage vollständig. Daraus folgen drei Eigenschaften, die man später nicht mehr nachbessern kann:
Der letzte Punkt ist der wichtigste für den Einkauf: Die Teilentladungsmessung ist die einzige Prüfung, die über die Güte des Vergusses Auskunft gibt. Ein Wert im Protokoll ist deshalb mehr wert als jede Materialangabe im Prospekt. Was die Prüfung im Einzelnen zeigt, steht im Beitrag zur Gießharzqualität als Qualitätsmerkmal.
Das B im Typenschlüssel steht für die Folienwicklung: Auf der Unterspannungsseite wird nicht Draht, sondern durchgehendes Kupferband verwendet, zwischen dessen Lagen axiale Kühlkanäle liegen. Das Band wird mit einem vorimprägnierten Gewebe zu einem Festkörper ausgehärtet.
Der Vorteil liegt in der gleichmäßigen Amperewindungsverteilung. Sie ergibt eine hohe Kurzschlussfestigkeit und niedrige Wirbelstromverluste, während die axialen Kanäle die Wärme aus der Wicklung herausführen. Praktisch heißt das: Die Bauart ist dort stark, wo viele Windungen mit hohem Strom arbeiten – also genau im Verteilbereich.
Die Standardausführung entspricht Klasse F mit einer Grenztemperatur von 155 °C, einer zulässigen Erwärmung von 100 K und einer Hotspot-Temperatur, die 155 °C nicht überschreiten darf. Für härteren Betrieb ist eine H-Ausführung mit 180 °C lieferbar, die die Reserve nach oben verschiebt.
Bemerkenswert ist die Angabe zur Überlast: Unter Luftkühlung sind 140 Prozent der Nennlast im Dauerbetrieb möglich. Das ist für Verteilnetze relevant, weil Lastspitzen dort selten stundenlang andauern und eine Reserve von 40 Prozent den Unterschied macht zwischen „Anlage läuft weiter" und „Anlage muss abgeschaltet werden".
Diese Reserve ist allerdings keine Eigenschaft des Harzes allein, sondern des gesamten Wärmemanagements: Kanäle, Lüfter, Temperaturregler und Aufstellbedingungen müssen zusammenpassen. Wer die 140 Prozent in die Ausschreibung schreibt, sollte deshalb auch festlegen, bei welcher Umgebungstemperatur sie gilt.
| Eigenschaft | Ausführung SC(B) |
|---|---|
| Kühl- und Isoliermedium | Luft, AN oder AF |
| Brandverhalten | flammhemmend, selbstlöschend, raucharm, halogenfrei |
| Wartung | kein Ölwechsel, keine Ölfilterung, keine Dichtheitsprüfung |
| Überlastfähigkeit | bis 140 Prozent der Nennlast im Dauerbetrieb unter Luftkühlung |
| Schutzart | IP20 innen, IP23 mit Dach für außen |
| Typische Leistung | bis 2 500 kVA, größer auf Anfrage |
| Typische Aufstellung | Gebäude, Tunnel, Rechenzentrum, Flughafen, Klinik |
Der Temperaturregler gehört zur Sicherheitskette, nicht zum Zubehör: Er liefert Störmeldung, Übertemperaturalarm, Übertemperaturauslösung und eine Ereignisaufzeichnung, über RS485 auch an die Leittechnik. In Anlagen ohne ständige Besetzung ist diese Aufzeichnung der einzige Weg, im Nachhinein zu klären, warum eine Abschaltung erfolgt ist.
Die Grenze liegt bei der Leistung und beim Preis. Über etwa 2 500 kVA wird die ölgefüllte Bauart wirtschaftlicher, und im Freiluftbereich mit großen Leistungen ist sie ohnehin die Regel. Auch die Anschaffung ist teurer, weil Harz, Vakuumverguss und Prüfaufwand mehr kosten als ein ölgefüllter Kessel vergleichbarer Leistung.
Dieser Mehrpreis bezahlt sich über den Aufstellort: Wer keine Brandwand, keine Auffangwanne und keinen Öllöschplan braucht und die Station direkt an den Lastschwerpunkt setzen kann, spart Leitungen, Verluste und Baufläche. Diese Rechnung geht häufig auf – aber nur, wenn der Aufstellort tatsächlich der Grund für die Bauart ist. Wie die Entscheidung systematisch geführt wird, steht im Entscheidungsleitfaden Trocken oder Öl.
Das S steht für dreiphasig, das C für Cast, also Gießharz, und das B in Klammern für die Folienwicklung auf der Unterspannungsseite. Die folgende Zahl bezeichnet die Verlustreihe. Wer den Typenschlüssel lesen kann, kennt damit die technische Route – nicht aber die Verluste, die Impedanz oder die Prüfwerte. Diese drei Angaben stehen nur im Datenblatt.
Frage 1: Ist eine Gießharzwicklung wirklich wartungsfrei?
Sie braucht kein Öl und keine Dichtheitsprüfung. Wartung beschränkt sich auf Lüfter, Temperaturregler, Anschlüsse und die Reinigung der Kühlflächen. Staub auf den Wicklungen ist der häufigste Grund für Übertemperatur.
Frage 2: Was passiert bei einem Wicklungsschaden?
Eine vergossene Wicklung ist nicht reparierbar; sie wird ersetzt. Das ist der Nachteil gegenüber der offenen Bauart und ein Argument dafür, die Ersatzteilfrage vor der Bestellung zu klären – nicht danach.
Frage 3: Kann die Bauart im Freien stehen?
Ja, mit Dach und Schutzart IP23. Für dauerhafte Bewitterung und große Leistungen bleibt die ölgefüllte Bauart dennoch die wirtschaftlichere Lösung.
Frage 4: Welche Prüfung belegt die Vergussqualität?
Die Teilentladungsmessung, ergänzt um die Stückprüfungen nach IEC 60076-11. Beide gehören ins Abnahmeprotokoll, mit Seriennummer des gelieferten Geräts.
Frage 5: Gibt es die Baureihe auch mit amorphem Kern?
Ja. Die Kombination aus Gießharz und amorphem Kern ist unter Trockentransformator SC(B) beschrieben; die Details der Baureihe stehen auf der Seite Trockentransformator.