Wenn ein EU-Käufer eine Compliance-Mappe öffnet, beginnt und endet das Gespräch meist beim CE-Zeichen. Das ist zu wenig. Hinter der CE-Akte liegt eine zweite Ebene – die Materialkonformität – mit eigenen Richtlinien, eigenen Dokumenten und eigenen Fehlerquellen bei Energiegeräten.
CE regelt die Sicherheit im weitesten Sinn: elektrische Sicherheit, elektromagnetische Verträglichkeit, bei Maschinen die Maschinenrichtlinie. Es regelt nicht, welche Stoffe im Gerät stecken. Für Transformatoren, Schalter und Schaltanlagen kommen deshalb zwei weitere Regelwerke hinzu: die RoHS-Richtlinie 2011/65/EU zur Stoffbeschränkung und die REACH-Verordnung (EG) Nr. 1907/2006 zur Registrierung, Bewertung und Zulassung von Chemikalien.
| Regelwerk | Was es verlangt | Dokument |
|---|---|---|
| RoHS 2011/65/EU | Grenzwerte für zehn Stoffe in Elektrogeräten | Konformitätserklärung, Materialdeklaration |
| REACH (EG) 1907/2006 | Informationspflicht bei SVHC über 0,1 % | SVHC-Erklärung, Sicherheitsdatenblatt |
| CE (LVD, EMV) | Sicherheit, Verträglichkeit | Konformitätserklärung mit Normbezug |
Bei Transformatoren sind die kritischen Stellen Lote, Kontaktbeschichtungen, Lacke und Dichtungen. Bleihaltige Lote sind in der EU seit 2006 beschränkt, in der Ausnahme für hochschmelzende Loten gibt es aber weiterhin Spielräume. Wer die Ausnahme nutzt, muss sie benennen – nicht verschweigen.
Bei Schaltern sind es Kontaktwerkstoffe und Galvaniken. Silberlegierungen mit Cadmium kommen in älteren Baureihen vor; Cadmium ist RoHS-beschränkt. Ein Anbieter, der die Kontaktwerkstoffe nicht offenlegt, liefert eine Deklaration ohne Substanz.
REACH verlangt, dass ein Lieferant den Kunden informiert, wenn ein Artikel einen Stoff der Kandidatenliste über 0,1 Masseprozent enthält. Die Liste wird halbjährlich erweitert; sie umfasst inzwischen über 250 Einträge. Praktisch heißt das: Eine SVHC-Erklärung ohne Datum ist wertlos, weil sie sich auf eine alte Liste bezieht.
Für den Käufer ist deshalb nicht die Existenz der Erklärung entscheidend, sondern ihr Stand. Eine Erklärung, die ein Jahr alt ist, deckt die letzten Ergänzungen nicht ab.
Reicht das CE-Zeichen für RoHS?
Nein. RoHS ist eine eigenständige Richtlinie mit eigener Erklärung.
Wie oft muss die SVHC-Erklärung erneuert werden?
Bei jeder Erweiterung der Kandidatenliste, mindestens jährlich.
Was passiert bei einem Verstoß?
Rückruf, Bußgeld und im Wiederholungsfall Vertriebsverbot im Zielmarkt. Der Käufer haftet mit.
Produkte: Transformatoren 6–35 kV, Vakuumleistungsschalter 12–40,5 kV und Transformator-Auswahlleitfaden.
Externe Quellen: Richtlinie 2011/65/EU (RoHS) und ECHA – Kandidatenliste der besonders besorgniserregenden Stoffe.
XIAOPAI – Hersteller von Transformatoren, Vakuumleistungsschaltern und Schaltanlagen in Wenzhou, China; Dokumentation für EU-Exportprojekte.